Die Humanistenbibliothek in Sélestat

Die Bibliothek stammt aus der Zeit, als Selestat das oberrheinische Zentrum der Humanisten war. Gegründet, wurde sie 1452. 1547 vermachte Beatus Rhenanus, der berühmte Gelehrte aus Selestat, der Bibliothek seine Bücher.
Die Humanistenbibliothek von Sélestat stellt eine bibliothekarische Kostbarkeit dar, da es sich um die einzige vollständig erhaltene öffentliche Bibliothek aus der Zeit des Humanismus handelt.
Das ältste Buch ist ein merowingisches Lektionar (=Buch mit den Schriftlesungen für die Eucharistiefeier und Stundengebeten).
In der Bibliothek befindet sich auch der älteste Druck des sogenannten "Mundus-novus-Briefes", der 1503 in Paris gedruckt wurde und wahrscheinlich von Beatus Rhenanus nach Sélestat gebracht wurde. In ihm berichtet Amerigo Vespucci von der Entdeckung einer "neuen Welt" im westlichen Atlantik.
Aufgrund dieses Briefes wurde die "neue Welt" nach Amerigo Vespucci "Amerika" benannt, und nicht nach Christoph Kolumbus, der bekanntlich bereits 1492 dorthin gelangte, die Bedeutung seiner Entdeckung aber nicht erkannte und zunächst nur von "jüngst entdeckten Inseln" berichtete. In der Humanistenbibliothek liegt mit der "Cosmographiae introductio" von Martin Waldseemüller und Mathias Ringmann aus dem Jahr 1507 gewissermaßen auch der "Taufschein" Amerikas. In ihrem Werk nennen sie das von Vespucci gefundene Land "Ameri-ge", d.h. "Erde das Americus oder America". Die dazugehörige große Weltkarte Waldseemüllers, die die Bezeichnung Amerika erstmals auf einer Karte verzeichnet, ist ebenfalls zu sehen.
Öffnungszeiten:
Montag, Mittwoch bis Freitag 9-12 Uhr und 14-18 Uhr Samstag 9-12 Uhr
Im Juli und August auch an Samstagen und Sonntagen von 14-17 Uhr
Pfingstmontag geschlossen

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